6. Die 80er Jahre. Gelingt der Umstieg zum allgemeinem Tourismus?


Das Jahrzehnt beginnt mit der 800 Jahr Feier in Bieselsberg das groß begangen wird.

Die Einwohnerzahl ist bis 1987 auf ca. 6800 gestiegen . Was einer Steigerung gegen 1970 um ca. 1450 Bürger in nur 17 Jahren entspricht! Diese weiterhin schnell steigenden Einwohnerzahlen dokumentieren, dass Schömberg, trotz des drastischen Rückgangs der Übernachtungszahlen im Kurbereich und damit auch der Arbeitsplätze in diesem Bereich für Neubürger interessant ist. Aber man muss sich doch fragen, Wo kamen die notwendigen Wohnungen und sie notwendigen Arbeitsplätze her? Es wurde in diesen Jahren in Schömberg viel gebaut und neue Wohngebiete erschlossen wie zum Beispiel die Wohnsiedlung am Hengstberg und das Gelände der Gärtnerei Enderle. Diese Gärtnerei hat die Gemeinde erworben erschlossen und dann die Bauplätze für 300 DM/m2 verkauft und kein Geld dabei verdient.

Viele der kleinen Kurheime und Pensionen sind in Wohnungen umgebaut worden. Schwieriger ist die Frage nach den zusätzlich notwendigen Arbeitsplätzen zu beantworten. Eine Antwort ist sicher, dass die wegfallenden Arbeitsplätze im Kurbereich teilweise durch Arbeitsplätze in den Alten- und Pflegeheimen und im wachsenden Berufsförderungswerk ersetzt wurden.


Luftbild ca. 1985

Durch viele Investitionen öffentlicher und privater Hand wird der Ort für seine Bewohner lebenswerter.

So wird 1980 im Schwarzenberg eine ev. Methodistische Kirche gebaut deren Einzugsgebiet über Schömberg hinaus geht. Das gleiche gilt auch für neuapostolische Kirche in Schömberg die 1987 erweitert wird. Die katholische Kirchengemeinde baut 1988 direkt neben der Kirche ihr neues Gemeindehaus. Die Post errichtet 1984 in der Poststraße eine Telefonvermittlungsanlage für 2300 Anschlüsse.

Von privater Seite wird 1980 in der Nähe des Wellenbades eine Tennishalle mit 3 Innenplätzen. 2 Außenplätzen und einem Restaurant gebaut. Man macht sich schon Sorgen ob der Parkplatz beim Wellenbad im Winter, wen auch noch die Wintersportler kommen reichen wird. 1985 errichtet der Volkssportverein die IVV Wanderwege und pflegt sie bis 2019.-

Auch die Gemeinde investiert kräftig um den steigenden Bedürfnissen der wachsenden Bevölkerung gerecht zu werden. So wird 1981 im Kurhaus eine Gemeindebücherei eingerichtet. 1983/84 entsteht beim Sportplatz ein neuer Bauhof und ein neues Feuerwehrgerätehaus. Die Kläranlage muss 1985 erweitert werden und 1982 wurde die Schule um 5 Klassenzimmer, einen Werkraum und einen Musikraum erweitert. Dies geschah teilweise durch Aufstockung des alten Schulgebäudes. Nun konnten auch die bisher ausgelagerten Klassen in den Ortsteilen aufgegeben werden. 1989 bekam die Schule dann auch noch eine großen Sportplatz. Das Wellenbad bekommt 1984 eine große Rutschbahn und ein Kinderplantschbecken. Die 1975 erbaute Leichenhalle erhält 1985 eine Erweiterung der Leichenhalle

Auch in den Teilorten tut sich einiges:
In Langenbrand wird das erste kleine Industriegebiet für Schömberg errichtet in dem die Fa. Bott den Anfang macht. Nachdem die Schüler Langenbrands nach Schömberg in die Schule gehen erhält das Gebäude 1985 als ev. Gemeindehaus eine neue Nutzung. Auch der Kindergarten ist dort untergebracht und erfährt 1988 mit einem Pavillon eine Erweiterung, 1987 erhält Langenbrand eine Friedhofshalle.

Auch in Bieselsberg erfährt das bestehende Schulgebäude eine Umnutzung zum Kindergarten.

Schwarzenberg erhält einen neuen Sportplatz und der TSV baut ein stattliches Sportheim.

Man sieht, es tut sich viel im Ort. Überall wird gebaut und die Bevölkerung wächst. Aber wie ist die Entwicklung bei den Kliniken, den Kurheimen, Pensionen, Hotels und Altersheimen. Wie ist die Entwicklung bei Kur und allgemeinem Tourismus?
Die Klinik der Bundesbahnversicherung die „Römerbergklinik“ wird Ende 1982 geschlossen. Es gibt keinen Bedarf mehr für 1958 gebaute Klinik. Es beginnt die Suche nach einer weiteren Verwendung dieses riesigen Gebäudekomplexes oder des Areals. Ende 1985 kauft die Kreissparkasse Calw das ganze Gelände und über plant es mit einer neuen Wohnbebauung unter Abriss der bestehenden Gebäude. Dann kommt die Bundesversicherung für Angestellte, die im Ortszentrum das 1969 neugebaute Schwarzwald-Sanatorium betreibt. Die Klinik wurde wurde damals noch ohne Nasszellen bei den Gästezimmern gebaut. Das entspricht nicht mehr den Ansprüchen der Gäste. So übernimmt die BfA um 1988 das Areal und plant eine Totalsanierung und Modernisierung der Klinik.

Im früheren Sanatorium Schömberg (S1) in dem Thadäus Zajac ein mit psychisch Kraken belegtes Haus betreibt bricht im Dezember 1980 ein Großbrand aus. Als Forderungen der Heimaufsicht nicht Genüge getan wird, muss das Heim 1987 geschlossen werden. Ab 1988 wird es Übergangsheimat für deutschstämmige aus Russland.

Der freie Fremdenverkehr macht die gewünschten Fortschritte. Während im Prospekt von 1980 noch 29 Hotels und Pensionen mit 600 Betten und 24 Privatvermieter mit 114 Betten verzeichnet waren, sind es im Prospekt von 1990 auch 29 Hotels und Pensionen mit 805 Betten dazu 19 Privatvermieter mit 95 Betten und 22 Vermieter von 48 Wohnungen. Nicht zu vergessen der Campingplatz in Langenbrand. Die Steigerung der Bettenzahl kam durch den Neuzugang der Häuser Kurklinik „Am Park“, Hotel Garni Sommer in Langenbrand, dem Hotel Jägerhof und der Pension „Ecclesia“ in Schwarzenberg
Auch die Preise ändern sich. So steigen die Hotelkosten für eine Übernachtung und Frühstück von 45-59 DM auf 65-79 DM/ Nacht, wobei die Preise bei Pensionen viel niedriger sind. Aber auch die Kosten bei den Handwerkern steigen kräftig von ca. 33 DM/Std. und 13% MwSt. in 1980 auf ca. 48 DM/Std. und 14% MwSt. Der Bürgerfreund kostete damals noch 5 DM im Quartal und hatte ca. 6 Seiten Anzeigen je Heft. Eine neue 3 Zimmer Wohnung am Missenweg konnte man 1983 ab 255.000 DM kaufen und eine 2 Zimmerwohnung am Kurpark mit 64 m² für 490 DM mieten. Der „Pfannkuch“ bot Schweinebraten für 13,90 DM/kg an.


Auch die Gemeinde investiert weiter unter der Regie von Kurdirektor Bernd Suppus in die Förderung von Kur und Tourismus. So wurde 1980 das Kurhaus mit einem Aufwand von 1,4 Mill. DM umgestaltet und renoviert: Silbersaal mit Trennwand. Überdeckung der Finsterlinfresken mit Velour-Tapete, 1982 wurde die Terrasse neugestaltet und eine Wasserorgel mit 40 Unterwasserscheinwerfern gebaut.


Wasserorgel ( Ausschnitt aus Postkarte)


Die Orte werden prädikatisiert: So erhält 1980 Langenbrand das Prädikat „Erholungsort“ und 1985 das Prädikat „Luftkurot“ und Schömberg wird 1988 „Kneippkurort“



Auch große Veranstaltungen finden im Kursaal statt. So gibt es 1982 ein Gastspiel des jugoslawischen Nationalballett mit Dunja Rajiter, 1984 eines mit Horst Frank und Ingrid Steeger , 1986 eines mit Freddy Quinn, 1987 ein Gastspiel von Horst Tappert und 1988 ist Manfred Klug da. Auf der Terrasse oder zum Tanztee spielt Gustav Eitel als Alleinunterhalter oder mit seinem Schwarzwaldorchester. Ein Blumenschmuckwettbewerb sorgt in ganz Schömberg für ein Touristen freundliches Ambiente. Wobei man anmerken muss, dass das in den Teilorten besser angenommen wurde als im Hauptort selbst.

Quellen: Bürgerfreund

Wolfgang Obert
September 2020


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