4. Die 60er Jahre. Wohin geht der Weg?


Um das Jahr 1962 erreichen die Übernachtungen der Tuberkulosekranken in Schömberg ihren Höhepunkt. Schon lange deuten die stetig sinkenden Zahlen der TBC-Neuerkrankungen an, dass hier drastische Änderungen auf Schömberg zukommen werden. (Grafik)

Aber noch wird auch im Bereich der TBC-Kuren investiert. So baut der Verein für Volksheilstätten 1962 das erste große Patientenwohngebäude auf dem Bühl das 1964 als Erwin Dorn Werk eröffnet wird und aus dem später das Berufsförderungswerk entstehen wird.

1966 – 1969 erstellt die Angestelltenversicherung (BfA) auf dem Gelände des Schwarzwaldheims ein neues Sanatorium für 180 Patienten. Chefarzt Dr. Ohlig vertritt noch 1966 die Meinung, dass die TB nicht weiter zurück gehe und in sofern einen Stillstand erreicht habe. (Dies war rückblickend betrachtet eine völlig falsche Einschätzung)


Klinik der BfA



Das alte Schwazwaldheim wird abgerissen. Die BfA übernimmt auch das alte Pfarrhaus und den alten Friedhof.

Auch auf die Gemeinde kommen in den 60er Jahren viele neue Aufgaben und Investitionen.

1963 wird auf Drängen der Bundesbahnklinik der Müllplatz auf das Gelände unterhalb der Kläranlage verlegt.

In der Talstraße wird 1965 ein neuer Kindergarten mit 3 Gruppenräumen und einer Wohnung gebaut. (link) Das Grundstück (Bauernhof) der Geschwister Öhlschläger geht im Tausch gegen den alten Kindergarten in der Herdgassee.

1967 wird die Erweiterung der Schule eingeweiht. Wesentliche Teile dieser Erweiterung sind das Lehrschwimmbecken und die Turnhalle. Der Architekt Rolf Metzger hatte 1963 den Architekturwettbewerb gewonnen. Wichtiger Punkt seines Entwurf waren das Sheddach. Das wurde wegen der Beleuchtung des Raumes damals als wichtig empfunden. Noch während des Baues wird eine weitere Erweiterung der Schule geplant zur Schaffung einer Gemeinschaftsschule. Im November 1965 beantragt Schwarzenberg den Anschluss an die Hauptschule Schömberg.

Auch der Friedhof bedurfte dringend einer Erweiterung, Das dazu notwendige Gelände wurde vom Staat durch Tausch vom Gemeindewald erworben.

Durch die weiter zurückgehenden Übernachtungszahlen im TB- Bereich, wird der Wunsch auf Gäste die nur zur Erholung oder Urlaub kommen immer stärker. Um das zu fördern, wird im Februar 1966 der Verkehrsverein gegründet. Dies stößt beim Kurärzteverein, der vor allem die Interessen der mit TBC -Kranken belegten Häuser vertritt auf wenig Gegenliebe. Es stellt sich hier die Frage, ob es ein Miteinander von Gästen mit ansteckender Krankheit und reinen Urlaubern geben kann? Diese Frage gipfelt auch in der Frage der Werbung für das Kurhaus und das Kurhausrestaurant. Trotzdem wird versucht, durch qualitativ hochwertige Veranstaltungen im Kurhaus den immer noch sehr vielen Gästen in Schömberg etwas zu bieten. So gibt es Konzerte des Pforzheimer Kammerorchester unter Friedrich Tilegant und 1966 sind die Mozart Sängerknaben aus Wien zum dritten Mal in Schömberg.

1966 gibt es eine wichtige politische Weichenstellung in der Zusammenarbeit von Schömberg und seiner Nachbargemeinden. Nach dem Rücktritt von Bürgermeister Schwemmle in Schwarzenberg wird Bürgermeister Brenner auch zum Bürgermeister von Schwarzenberg gewählt. (Link) Dies führt 1971 zum Anschluss Schwarzenbergs an Schömberg.

Die Übernachtungszahlen sind bis 1969 auf ca. 700.000 zurück gegangen und ein weitere Rückgang ist absehbar. Getroffen hat es vor allem die kleineren Kurheime. Aber auch auf das älteste Sanatorium, das Sanatorium Schömberg, oder wie im Volksmund „S1“ genannt, kommt ein radikaler Schnitt.

1968 werden die Gesellschaftsanteile der Sanatorium Schömberg GmbH von Thadäus Zajac gekauft. Noch ca. 1 Jahr wird versucht das Sanatorium weiterzuführen. Dann wird der Wechsel zur Betreuung psychisch kranker Menschen vollzogen. Ein Wechsel wie er in der Belegung der Häuser in ganz Schömberg charakteristisch werden wird. 


Sanatorium Schömberg




Quellen:
Gemeinderatsprotokolle,
Zeitungsartikel
Artikel im Bürgerfreund

erstellt im Februar 2020
Wolfgang Obert

Geschichte
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